Themenstellung 2010: Wie viel Glück ist möglich?
Unsere Welt steht vor Herausforderungen, die vor einigen Jahrzehnten noch niemand vorausgeahnt hat. Der Klimawandel stellt eine in dieser Form vorher nicht bekannte Bedrohung der kulturellen Evolution der Menschen dar. Müssen wir deswegen Ziele des gelingenden Lebens und des menschlichen Glücks aufgeben und bleibt uns nur die strategische Defensive? Hans Jonas schrieb 1979 in seinem Buch „Prinzip Verantwortung“: „Für den Augenblick tritt alle Arbeit am ‚eigentlichen’ Menschen zurück hinter der bloßen Rettung der Voraussetzung dafür – der Existenz einer Menschheit in einer zulänglichen Natur. Von der immer offenen Frage, was der Mensch sein soll, deren Antwort wandelbar ist, sind wir in der totalen Gefahr des welthistorischen Jetzt zurückgeworfen auf das erste, jener Frage immer schon zugrundeliegende, aber aktuell gewordene Gebot, dass er sein soll – allerdings als Mensch.“ (249 f., kursiv im Original)
Die 2. Spiekerooger Klimagespräche werden sich vom 4. bis 6. November 2010 in diesem Kontext mit der Frage beschäftigen: Wie viel Glück ist möglich? Nachdem es bei den 1. Spiekerooger Klimagesprächen Ende Oktober 2009 (Publikation anbei) darum ging, die Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften (inklusive dafür aufgeschlossener Teile der Wirtschaftswissenschaften) erst einmal allgemein ins Boot der Diskurse zum Klimawandel zu holen, wollen wir ab der zweiten Durchführung dieses neuen Tagungsformats ein bestimmtes inhaltliches Thema ins Zentrum rücken, das der allgemeinen Frage folgt: Was hindert eigentlich fortgeschrittene und aufgeklärte Gesellschaften wie die unsere, besser mit der Herausforderung des Klimawandels umzugehen?
Die Thematik der 2. Spiekerooger Klimagespräche bezieht sich also auf den Kontext, dass Klimawandel allem Anschein nach eher defensive Konzepte der Sicherung der Überlebensbedingungen annonciert und damit die ganz klassischen und grundlegenden Fragen nach den Bedingungen der Möglichkeit wirklich guten = gelingenden Lebens in den Hintergrund gedrängt werden (= zu werden scheinen). Weil vielleicht aber nur Gesellschaften, die sich (noch?) eine bessere Zukunft auf die Fahnen schreiben können, in der Lage sind, mit einer Herausforderung wie dem Klimawandel angemessen umzugehen, scheint uns die thematische Fragestellung für die 2. Spiekerooger Klimagespräche sehr sinnvoll zu sein.
